Zwischen den Zeilen: Joy Denalane „Maureen“
Am 20. Mai erscheint das dritte Studioalbum von Joy Denalane. Der Titel des Albums trägt den zweiten Vornamen der Künstlerin „Maureen“, denn das Album repräsentiert auch eine sehr persönliche Seite von Joy. Im Interview haben wir sie zu ihrem neuen Album, auf dem wieder deutsche Texte zu hören sind, befragt.
BACKSPIN: Was für ein Konzept steckt hinter deinem Album „Maureen”?
Joy Denalane: Maureen beschreibt den Reifeprozess und Lernprozess der letzten Jahre von Joy Denalane. Das ist der rote Faden. Zwar war der nicht von vorneherein klar, hat sich aber relativ schnell herauskristallisiert. Am Anfang habe ich erstmal Songs geschrieben, die ich schreiben wollte, auf Instrumentals, die mir gefallen haben.
Wer hat an deinem Album mitgearbeitet?
Ich habe mit Kahedi zusammengearbeitet. Das ist ein Produktionsteam bestehend aus Simon Kawamura, Max Herre und Roberto Di Gioia, daher auch der Name. Die haben fast die Hälfte des Albums hier in Deutschland produziert. Dann habe ich bei einigen Songs auf der Platte mit Steve McKie gearbeitet, der in Philadelphia sitzt. Außerdem mit Anthony Bell, Jake One und Tony Whitfield, also mit vielen verschiedenen Produzenten. Als Duettpartner für den Song „Nie Wieder, Nie Mehr“ konnte ich den Sänger Julian Williams (J-Luv, Anm. d. Red.) gewinnen. Ich habe ihn gefragt, ob er es machen würde, weil ich ihn für den größten deutschsprachigen Soulsänger überhaupt halte.
Wie gehst du an das Songschreiben heran?
Am Anfang gibt es immer einen Beat, ein Instrumental, das mich aus verschiedenen Gründen anspricht, nicht zuletzt, weil ich es qualitativ anspruchsvoll und gut finde. Jedes Instrumental transportiert eine Stimmung. Zu dieser Stimmung finde ich auch immer relativ schnell ein Thema. Dann geht es erstmal an die Melodie, die ist für mich das A und O. Ob sich ein Song für mich erschließt, hängt davon ab, ob die Melodie in sich stimmig ist oder nicht, also arbeite ich daran. Wenn die Melodie steht und der Inhalt im Kopf auch schon relativ klar ist, dann kommt der Text. Allerdings gab es durchaus auch schon den Fall, dass ich etwas unbedingt sagen wollte und dazu das entsprechende Instrumental gesucht habe. Aber ich hatte noch nie einen fertigen Text als erstes, nur die Vorstellung davon, was ich sagen möchte.
Was erwartet den Hörer inhaltlich auf deinem Album?
Ich denke, es ist zum einen eine Platte, die sehr viel die Facetten von Liebe reflektiert. Dann ist es aber auch eine Platte, die in gewisser Weise die Stellung, oder die Position beschreibt, die man innerhalb einer Gesellschaft hat. Also der Mensch im Kontext mit der Welt. Das ist es im groben, wenn ich es recht überlege.
Gibt es eine schöne Erinnerung an die Produktion des Albums?
Oh ja, ich habe die herrlichsten Quatsch-Aufnahmen zu dieser Platte. Ich habe viel Zeit im Studio verbracht. Vor allem mit Simon Kawamura hab ich dort viele Stunden gearbeitet. Er hat diese ganzen Mittel wie Autotune und was weiß ich was alles und damit haben wir soviel Blödsinn aufgenommen. Er ist ein guter Produzent, der mal schnell innerhalb von 5 Minuten einen Remix hingelegt hat, da sind wirklich schon lustige Sachen dabei entstanden, tolles Off-Material.
Gibt es das irgendwann mal noch zu hören?
Vielleicht, ich finde es wirklich lustig, ich habe mich sehr amüsiert. Was ich aber auch sagen muss, immer wenn ich es Leuten vorgespielt habe, die nichts damit zu tun hatten, fanden sie es nicht so witzig, wie ich.
Von Track zu Track
1. Niemand (Was Wir Nicht Tun)
Ist eigentlich ein Song, der für mich eine Ermahnung an mich selbst ist, bewusst und durchlässig zu bleiben, für die Dinge, die passieren. Ein Song, der einen Blick auf die Dinge wirft, die um einen herum passieren. Ein Song, der auch das Verständnis dafür aufbringt, dass es nicht immer leicht ist, das ranzulassen. Aber am Ende in der letzten Konsequenz gibt es keinen anderen Weg, als sich damit auseinanderzusetzen.
2. Frei
Ist ein Song, der sich mit der vermeintlichen Freiheit beschäftigt, die man gewinnt, wenn man aus einer Situation heraus geht. Der Song wirft die Frage auf, wie viel mehr frei man eigentlich ist und ob man immer zwingend eine Situation verlassen muss, um eine Veränderung zu bewirken, oder ob man vielleicht auch innerhalb einer Situation etwas ändern kann.
3. Der Tag Ist Nah
Eine reine Reflexion.
4. Nie Wieder, Nie Mehr feat. Julian Williams
Ich finde den Song sehr gut, weil er die zwei Seiten einer Trennung oder eines Konfliktes zwischen einem Paar treffend beschreibt. „Nie Wieder, Nie Mehr“ wirft beide Seiten auf. Beim Hören der ersten Strophe, die ich singe, denkt man zunächst: Was die Frau alles erlebt hat ist ja schrecklich. Aber sobald Julian Williams mit seiner Strophe einsetzt, merkt man: Sie scheint ja auch nicht ganz ohne zu sein. Der Song will sagen, es gibt oftmals keine Wahrheit, wenn etwas nicht funktioniert. Es gibt aber immer zwei Seiten.
5. Bin Und Bleib Dein
Ist einfach ein klassischer Liebessong, der mich aber auch ganz gut beschreibt. Darin gibt es eine Line: „Mag sein, dass ich manchmal den Ton angeb“. Gleich in der nächsten sage ich aber: „Nein, trotzdem wünsch ich mir mich bei dir anzuleh`n“. Das beschreibt mich als die Frau, die ich bin. Manchmal irritiert es Männer, glaube ich, wenn man als Frau ohne Angst seinen Weg geht. Das verunsichert Männer manchmal und fasziniert sie auf der anderen Seite vielleicht auch. In dem Song will ich sagen, mach dir keine Sorgen, auch wenn es manchmal für dich komisch ist, ich bleibe doch bei dir.
6. Wo Wollen Wir Hin Von Hier?
Beschäftigt sich mit dem Alltag, in dem man manchmal orientierungslos ist und nicht genau weiß, wie es jetzt weitergeht. Dann fragt man vielleicht einfach Leute in seinem nächsten Umfeld, wie sie es sehen, und kann gemeinsam den Weg beschreiten.
7. Siehst Du Mich
Ist ein Slow-Jam, den ich immer schon machen wollte. Auch schon auf den letzten beiden Alben wollte ich einen Slow-Jam machen, aber das hat irgendwie nie geklappt. Jetzt war der richtige Zeitpunkt.
8, Lass Es Liebe Sein
Beschäftigt sich mit der Desillusion. Wenn man sich mit jemandem zusammen tut und sich dann irgendwann trennt, ist es häufig so, dass die Leute sich nicht mehr mögen. Was ich schade finde, denn offenbar gab es einen Punkt, an dem man sich mal mochte. Ich finde das nicht nötig. Und ich sage in diesem Song, ich weiß nicht, was mit uns beiden passiert, aber was es auch ist, lass uns die Liebe, die wir an einem Punkt füreinander empfunden haben, bewahren.
9. Happiness
Ist ein Cover der alte Soul-Band Heatwave. Ich fand den Song toll und habe mich dazu entschlossen, ihn zu covern und nicht zu übersetzten.
10. Rosen
Ein Song, der sich mit dem Frauendasein beschäftigt, bzw. der das Frauendasein an sich zelebriert.
11. Du Allein
Uh! (lacht). Ist ein Auszug aus einer Empfindung.
12. Mehr Als Wir
Auch eine Soundwelt, die ich bis dahin nie beschritten hatte. „Mehr Als Wir“ ist ein Song, den meine Schwester toll findet und ich wollte immer einen Song machen, den meine Schwester toll findet (lacht). Sie mag die anderen Songs zwar auch, aber das ist einer, der ihr sehr zuträglich ist. Es ist bestimmt einer der R&B-ischten Songs auf der Platte. Meine Schwester war die erste Testperson und sie war begeistert.

































