Zwischen den Zeilen: Droppin Mirrors
Was für eine Idee/ ein Konzept steckt hinter “Droppin Mirrors”?
Conikt: Seit der Gründung von ThinkLoud 2005 gab es zwei Alben von Lars vom Dorf, einen weiteren Sampler und diverse Mixkassetten unserer Dj‘s. Anfang 2007 stellten wir uns die Frage, wie man andere Künstler für unser Label gewinnen könnte, um in Zukunft mehrere Releases machen zu können. Deshalb begannen wir dann, an verschiedene Künstler heranzutreten, die unserer Meinung nach zu unserem Sound passen. Ehrlich gesagt erwarteten wir uns da gar nicht so viel Feedback, doch noch am selben Tag meldete sich Oddisee und nach ein paar Mails erklärte er, dass er in weniger als einem Monat nach Europa auf Tour kommen würde. Zu dem Zeitpunkt hatte er schon eine gute Anzahl an Gigs selbst organisiert. Ungeklärt war nur noch die Reiseorganisation in Europa. Kurzer Hand übernahmen wir die Planung und einen Monat später ging ich zusammen mit Oddisee, Trek Life und The Unknown auf Tour durch Europa.
Stroe: Während dieser Zeit entstanden dann auch die ersten Songs für „Droppin‘ Mirrors“.
Was gibt es zu den Feature-Gäste zu sagen?
Conikt: Auf der Platte werden jede Menge Künstler zu hören sein. Zum einen bereits bekannte Größen der Indierap Szene wie z.B. Aloe Blacc, Kev Brown, Grand Agent,…, aber auch talentierte und befreundete Künstler wie Portformat, Lars vom Dorf, Fid Mella und Summsemann.
Die meisten Bekanntschaften resultierten aber vor allem aus der ersten Tour, welche wir mit Oddisee gemacht haben. Fid Mella traf ich zum Beispiel in Wien bei einem unserer Auftritte. Weiterhin spielten wir auf Summsemanns Releaseparty in Köln.
Wie lief die Produktion ab?
Stroe: Das besondere an diesem Sampler ist, dass viele Tracks in direkter Zusammenarbeit entstanden sind. Durch die gemeinsame Zeit hat man die Möglichkeit nicht nur die musikalischen Vorlieben des jeweiligen Künstlers kennenzulernen, sondern auch ganz persönliche Dinge. Eigenarten, die man nicht zwischen den Zeilen lesen kann. Und wie alles andere, beeinflusst das natürlich auch die Produktion. Es wird unmittelbarer, originaler.
Natürlich bleiben wir trotzdem unserem Sound treu. Wir versuchen jeder Produktion etwas Besonderes abzugewinnen, so dass sich die Songs nicht nach Fließbandarbeit anhören. Das ist mir sehr wichtig. Deswegen gibt es auch keine bloßen Lizensierungs – Tracks bei Droppin´ Mirrors.
Gemastert wurde der Sampler von Calyx hier in Berlin. Eigentlich eher (oder genau weil) auf elektronische Musik spezialisiert, haben sie genau den Punkt getroffen.
Was erwartet den Hörer inhaltlich auf der LP?
Stroe: Wenn ein Künstler seine Stimme benutzt, sei es nun durch Rap oder Gesang, rückt das natürlich sehr schnell in den Fokus der Zuhörer. Letztendlich hoffen wir jedoch, dass unsere Hörer verstehen, dass es um etwas mehr geht als um eine Konversation von immer den gleichen Themen. Vielleicht schaffen wir es, beim Hörer genau den Schalter umzulegen, der sich so auch selbst wieder etwas besser kennenlernt.
Conikt: Es ist schon Musik zum genauen Hinhören, um auch die Details in der Musik wahrnehmen zu können. Die Songs sind teilweise auch sehr lang und in einigen Passagen auch einfach nur instrumental. Das bietet dem Hörer auch Freiräume für eigene Interpretationen und Gedanken.
Das ist genau die Art von Musik die wir bei ThinkLoud veröffentlichen wollen.
Eine kleine Randnotiz rund um das Album?
Conikt: Zunächst können wir mit dem Release auch noch einmal auf viele schöne Momente zurückblicken. Gerade die Tourerlebnisse und die Recordingsessions sind unersetzbare Erfahrungen. Ich habe so zum auch Beispiel viele schöne Orte kennengelernt, wie z.B. Paris, Venedig, Wien, Antwerpen, Kopenhagen, Zaragoza,…
Über die Erinnerungen hinaus hoffen wir natürlich, dass dieses Album unser Label einer breiteren Menge von Musikliebhabern vorstellt, um weiterhin derartige Releases veröffentlichen zu können.
Sroe: Die Aufnahmen für eine LP mit Miles Bonny sind schon im vollen Gange und weitere Tracks wie z.B. mit Emcee Sick von Pseudo Slang sind sogar schon fertig.
Von Track zu Track
Wired Spotlight ft. Lars Vom Dorf
Conikt: Es war klar, dass Lars im Intro der Platte zu hören sein muss, denn war er letztlich auch er der Grund dafür, weshalb wir das Label 2005 gegründet haben.
Stroe: Der Sound des Songs zeigt auch sofort um was es uns auf dieser Platte geht: Experimenteller, tiefer Hip Hop und Soul.
Girl ft. Kev Brown & Kaimbr
Conikt: Als wir das erste Mal mit Oddisee in Wien waren, trafen wir unter anderem auch Fid Mella, einen Freund des damaligen Veranstalters. Wir blieben mehrere Tage in Wien und so traf man sich natürlich auch zum Musik machen. Mella gab uns damals ganz unverbindlich auch eine Beat CD mit. Wir hörten die CD für den Rest der Tour .
Stroe: Fast ein Jahr später packten wir diese wieder aus, als wir Material für Kev Brown und Kaimbr suchten. Das Ergebnis ist ein progressiver aber souliger Song über Leidenschaft.
Self Portrait ft. Trek Life
Stroe: Trek Life ist unglaublich. Selten habe ich jemanden im Studio gehabt, der so professionell und leidenschaftlich an einen Song herangeht.
City Lights ft. Oddisee
Stroe: Manchmal gibt es Momente, da passt alles. Der Song entstand innerhalb von wenigen Stunden und Oddisee zeigt einmal mehr, wie vielseitig er ist. Er fand sofort den richtigen Ton.
The Thunder We Feel ft. Terrence Bowry (Freestyle)
Conikt: The Unknown ist nicht nur ein guter Freund von Oddisee, sondern auch Produzent und Rapper. Auf Tour hörten wir seine unzähligen Beat CD’s und eine seiner Produktionen fanden wir besonders gut und pickten diese für das Album.
Stroe: Terrence ist ein in Berlin lebender, kanadischer Jazz- und Bluessänger, der mir während den Openmic-Session im Berliner Jazzclub „Oxident“ ins Auge fiel. Er begeisterte sich sofort für das Projekt und sang den Text ad hoc ein.
Conikt: Deshalb steht auch “freestyle“ hinter dem Songtitel, denn war es wirklich eine spontane „one take“ Aufnahme.
The New Aerospace Clique ft. Kev Brown
Stroe: Die Vocals stammen von einem anderen Song, den ich mit Kev aufnahm und welcher wahrscheinlich noch auf einer EP zusammen mit Remixen von Samon Kawamura, Audiotreats und Elaquent erscheinen wird. Der Song ist auch eine Hommage an Eddie Harris, von dem das Sample stammt.
Touch Up ft. Wolly Vinyl & Black Swan
Stroe: Beide stammen aus Charlotte, North Carolina und man kann wirklich sagen, dass sie noch die Liebe zu Hip Hop in sich tragen.
Fadenfilm ft. Summsemann (Cinematic Remix)
Conikt: Summsemann ist wie schon gesagt auch eine Bekanntschaft die durch die erste Tour zu Stande kam, denn spielten wir mit Oddisee auf seiner Releaseparty zu seinem Debütalbum „Da“, was auf Jakarta Records erschien.
Stroe: Ich wollte unbedingt mit ihm zusammenarbeiten und da Summsemann damals leider keine Zeit für eine direkte Zusammenarbeit hatte aber auf jeden Fall dabei sein wollte, habe ich einen Remix seines Albumsongs „Fadenfilm“ angefertigt. Das Rhodessample stammt von Jason Swinscoe, deswegen der Remix-Name.
Without A Doubt ft. Aloe Blacc
Conikt: Im Zuge der “J Dilla Changed My Life Tour” buchten wir Aloe Blacc, Exile, House Shoes und Illa J für ein Konzert in die Alte Kaffeerösterei, unsere Lieblingslocation in unserer Heimatstadt Plauen. Nach dem Konzert drückte ich Aloe eine CD mit einem Beat von Stroe in die Hand. Einen Tag später fuhr die Crew ohnehin nach Berlin, wo sie mehrere off days verbringen wollte. Das war unser Glück, denn so hatte Aloe Zeit, um sich bei Stroe einzufinden, um diesen Song aufzunehmen.
Stroe: Ich war etwas überrascht, als Aloe anfing den Song neu zu interpretieren. Er war anfänglich als Rap-Song konzipiert. Letztendlich ist es der positivste Song des Albums. Die Trompete stammt auch von einem Jazz-Musiker aus dem Oxident.
U Gotta Find ft. Shuanise
Conikt: Dieser Song ist bereits auf Portformats Album “The Rebeatfactor” erschienen. Eigentlich wollten wir einen exklusiven Song von ihm verwenden, doch passte „U Gotta Find“ einfach super zum Album, so dass wir uns für diesen Titel entschieden.
Love From Above ft. Terrence Bowry
Stroe: Einer meiner Lieblingsongs. Er zeigt auch auf, in welche Richtung es demnächst mit Miles Bonny gehen wird.
2 Seconds ft. Trek Life & The Unknown
Stroe: Der Song war schon in einer anderen Version auf „Uncommon Perspectives for an ordinary Day“, einem Vorabsampler von ThinkLoud, zu hören. Sehr progressive.
Conikt: Ist mein Favorit auf dem Album und es war übrigens der erste Song den wir aufgenommen haben. Als der Song im groben fertig war, wusste ich, dass sich der Aufwand gelohnt hatte, diese Touridee umzusetzen und so war der Song auch Motivation weiter an der Albumidee zu arbeiten.
Buy My Pain ft. Grand Agent
Stroe: Dieser Song ist eigentlich die einzige klassische Internetkollaboration. Die erste Version des Remixes war nicht ganz so tief wie die letztliche Version. Ist vielleicht sogar der Song mit der meisten Tiefe des Albums.
The Little Death Of A Flower
Stroe: Beim Outro sollte man sich als Produzent meiner Meinung nach so richtig schön austoben, ohne unbedingt auf Homogenität achten zu müssen. Die Originalversion war bedeutend länger, jedoch hätte sie nicht auf das Vinyl gepasst. Schade eigentlich. Kleine Geschichten zu erzählen haben mich schon immer gereizt.
































