Review: Professor Green – Alive till I’m dead
Professor Green? Nie gehört. Alive till I’m dead? Ja, ich auch. Offen gestanden: Der Albumtitel lässt mich genauso ratlos zurück wie das Cover. Von selbigem blickt ein augenscheinlich blutjunger Whitey in bester Denkerpose mit leicht melancholischem Blick verträumt nach links oben. Erste Reaktion: “wie bitte?!?” Rein visuell lässt das Artwork keine echten Rückschlüsse auf den musikalischen Inhalt zu.
So oder so ähnlich stellt man sich auch das Cover des obligatorischen Solo-Erstlingswerks des schnuckeligen Frontmanns einer x-beliebigen aus der Mode gekommenen Boygroup vor. Die CD, einmal um 180 Grad gewendet, verstärkt diesen Eindruck sogar noch, erblicke ich doch in der Tracklist nicht gerade Genre-typische Featuregäste wie unter anderem Popsternchen Lilly Allen…. Das einzige das dann doch ein wenig das Gefühl eines Rap-Albums erzeugt, ist das “lucky” Tattoo das mir vom Hals des Protagonisten entgegenspringt, befindlich direkt unter einer mehr oder minder imposanten, und gar nicht Boygroup-mässigen, tiefen Narbe. Laut Beipackzettel, zugezogen bei einer tragischen Begegnung mit einem feindlich gesonnenen Subjekt samt Stichmesser in seinem Londoner Heimatbezirk “Hackney”. Ein moderates Interesse meinerseits ist geweckt, also rein mit der CD.
Hip-Hop-Puristen und Liebhaber des guten alten UK-Sounds à la Jehst, Lewis Parker, Terrafirma usw. werden diesen Silberling meiden wie der Teufel das Weihwasser. Soviel ist mal sicher. Man merkt dem Jungen Mann an: er zielt direkt und geradewegs auf die Charts. Denkt man sich die Raps (die stimmlich und energetisch hin und wieder die Assoziation eines frühen Britischen Eminems wecken) weg, so könnten die Produktionen auch ohne weiteres auf aktuellen Superstar-Alben der Kaliber Rihanna und Konsorten problemlos ihren Platz finden! Nach Jazzpiano Samplechops, in 2 Takt Loops über staubige Drumbreaks arrangiert, sucht der romantisch veranlagte “Head” hier vergebens. Das Klangbild wird vielmehr von funky angehauchten Uptempo Nummern, 80s-pop anleihen, souligeren Balladen und ins Indie-poppige abdriftenden Gitarrensound bestimmt.
Auch der typisch Britische Grime/Dubstep blitzt hier und da auf. Aber signature-0815 Hip Hop? Fehlanzeige!Liebhaber der Altbewährten Kiff-Battle-Realkeeping-Representer-Tracks mit Premocuts werden sich den sprühlackbespränkelten Zeigefinger an ihrem Skip-Button brechen.
Spätestens beim Radio-Pflicht-Hit inklusive Video “i need you tonight” würde der traditionsbewusste Fan wegen des INXS Samples hochgradig angesäuert seine Breakermatte zusammenrollen, mit bösem blick im Eastpackrucksack verstauen und laut fluchend nach der Realness-Polizei rufen. Kaum eine Hook, die nicht gesungen ist, kaum ein Song der nicht komplett glattgebügelt wurde.
Meine ich das despektierlich? Mitnichten! Der open-minded Musikliebhaber mit Affinität zum “Urban-Sound” wird dem ganzen mit Sicherheit etwas Positives abgewinnen können. Ansprechend Produzierte stimmige Konzeptsongs versiert von einem Skilltechnisch durchaus soliden Rapper, der es versteht, uns einen Einblick in sein Innenleben zu erlauben, ohne dabei gezwungen, aufgesezt oder künstlich zu wirken. Thematische Vielfalt: vorhanden! Von Beziehungs- und Frauengeschichten, über Drogen, Party und Alkohol, bis hin zu seinem Umfeld und Problemen, die ihm im Sumpf des Popbiz begegnet sind wird alles abgehandelt und verarbeitet.
Hier ist auf jeden Fall ein Junger Artist am Werk, der mit gezielter Vermarktung und dem nötigen Quäntchen Glück seinen Weg machen wird. Zu wünschen ist es ihm. “livin like a student with a popstar wallet”…..Eins ist sicher: er kann es schaffen!
Top 3:
“Kids That Love To Dance”
“Jungle”
“Do for you”

































Gute Review! Alle wichtigen Aspekte gesehen, alles gesagt, was man sagen muss – und dass dann auch noch in einer unverkrampften, unterhaltsamen Art. Schönes Ding.