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Nachgefragt bei: The Plot & Dirty Sánchez

Gegen Genrepolizisten und musikalische Engstirnigkeit treten die Düsseldorfer Jungs The Plot & Dirty Sánchez in den Ring. Dabei hat die Konstellation wenig mit einem herkömmlichen HipHop-Camp gemein, unter dem Namen, dessen Bedeutung auch im Interview zur Sprache kam, vereinen sich zwei Rapper plus Gitarrist, Bassist und Schlagzeuger. Einen „Genre-Mix aus Rock, Alternative, Jazz, Pop, Elektronik und HipHop“ nennen die Fünf ihren Stil selbst. Nach dem Debüt vor zwei Jahren namens „Eselsbrücke“ erscheint nun am 15.10.2010 das neue Werk, „Freunde des schlechten Geschmacks“. BACKSPIN fragte mal genauer nach.

Was ist das Konzept hinter dem Album?
Hank (Bass): Es ist kein Konzeptalbum im klassischen Sinne, auch wenn der Albumtitel vielleicht einen Hinweis darauf geben könnte. Das musikalische Konzept ist eigentlich, so viele Genres wie möglich zu bearbeiten. Von Elektro über Rock bis Jazz, wir haben versucht, so heterogen wie möglich zu sein, ohne dabei zu viele „HipHop plus Band“-Klischees zu bedienen. Letztlich ist das Konzept des Albums und auch der gesamten Band, Songs zu machen, die so vielseitig wie möglich sind.

Conny (Raps): Die Frage, ob zuerst das Konzept des „schlechten Geschmacks“ oder erst die ethisch etwas abdriftenden Texte da waren, ist ein wenig die Frage nach dem Huhn und dem Ei. Einerseits war zwar der Arbeitstitel schon recht früh „Freunde des schlechten Geschmacks“ – ich glaube Max hatte die Songidee – allerdings glaube ich auch, dass wir fünf Kleinkinder kaum andere Texte für unser Debütalbum hätten schreiben können.

Welche Erwartungen habt ihr?
Elias (Gitarre): Wir können es kaum erwarten, das Album zu veröffentlichen und sind unglaublich gespannt, was es für Feedback geben wird. Uns allen macht es sehr viel Spaß, die Songs live zu spielen! Daher hoffen wir, dass es Leute da draußen gibt, die damit etwas anfangen können.

Elmäx (Raps): Wie bei jedem Release wollen wir das nächste Level erreichen! Viele Bands stagnieren, treten ewig in der gleichen Kneipe auf, verkaufen ihr gebranntes Demo an 20 Homies und kommen nicht vom Fleck. Wir wollen mehr Auftritte außerhalb von NRW, eine Basis für weitere Veröffentlichungen schaffen und einfach mehr Feedback bekommen für die ganze Arbeit, die wir in Platte und Band gesteckt haben. Ob wir das auch erreichen, wird sich zeigen.

Wie seid ihr an die Platte herangetreten?
Conny: Ganz anders als bei den ersten beiden Plot-Platten „Eselsbrücke“ und „Plotzblitz“. Bis sich fünf Köpfe auf ein erstes Grundgerüst geeinigt haben, von dem aus jeder dann an seiner Baustelle arbeiten kann, kann es schon recht lange dauern. Ich habe für mich persönlich auch gemerkt, dass ich im Proberaum nicht so gut schreiben kann, weil ich Instrumentals scheinbar immer erst 100 mal im Loop hören muss, bis mein Hirn so weich geworden ist, dass ich da was Gescheites herauspressen kann. Und wenn die Jungs dann immer nach 16 Takten aufhören, um irgendwas an der Bassline zu ändern, funktioniert das halt nicht.

Elias: (lacht) Conny hat „Takte“ gesagt. Im Proberaum sprechen die Herren Rapper nämlich immer von deren Zeilen, wodurch wir anfangs des Öfteren mal aneinander vorbeigeredet haben. Für uns Musiker hat sich sonst nicht viel an der üblichen Arbeitsweise geändert. Meist wird zuerst das Thema des Songs festgelegt, dann weiß man schon mal grob in welche Richtung es gehen soll – hart, balladesk, funkig, rockig oder vielleicht elektronisch. Es folgt eine Idee, meist in Form einer Bassline oder eines Gitarrenriffs, auf der dann aufgebaut wird. Der Prozess wiederholt sich dann bis Vers, Refrain und Bridge stehen. Damit die Jungs sich das in Ruhe im Loop anhören können, ohne immer von unseren Diskussionen beim Schreiben unterbrochen zu werden, nehmen wir den fertigen Beat meistens grob im Proberaum auf. Wenn der Text steht, kommt dann noch die Detailarbeit wie Dropouts oder Akzente und fertig ist der Song.

Was ist die Besonderheit bei euch?

Dom (Drums): Ich glaube, dass wir als Band insofern besonders sind, als dass wir zwar in gewisser Weise HipHop in Verbindung mit einer Band sind, allerdings nicht den Sound machen, den sonst Combos dieser Art machen – das sind ja meistens so Funk-/Soul-/Discogeschichten. Passt vielleicht auch ganz gut, weil im Moment sich ja im HipHop einiges tut und man auch vielen verschiedenen Arten von Instrumentals begegnet. Und Party machen kann man zu unserem Sound allemal!

Gibt es Gastauftritte?
Elmäx: Wir werden regelmäßig mit Beats versorgt, und wenn im Proberaum mal das Bier alle ist – sprich die Kreativität am Boden ist – wird dann auch mal das ein oder andere ZwerK-Instrumental als Grundlage geschändet. Die Wunderknaben von Threefall unterstützen uns mit ihren Blasinstrumenten bei einem Track. Liza Li, die Playboy-, VIVA-, Solitary – Prominenz hat dem Track „Medienpint“ die gewisse Authenthizität verpasst und Sorgenkind trifft mit seiner rauchigen Kneipenkehle bei „Ausschnitt“ den richtigen Ton.

Nicht zu vergessen DjDickDiamond an den Cuts, der doch tatsächlich kein festes Mitglied des Sanchezclans mehr sein wollte. Faggot!

Welche Einflüsse habt ihr genossen?

Hank: Jeder von uns kommt aus einer anderen Stilrichtung und hat unterschiedliche Vorlieben, was er so in seiner Freizeit hört. Daher, und das finde ich extrem positiv und wichtig in der Musik, kommen Einflüsse aus allen Richtungen, sei es Metal, Alternative, Jazz, Rock oder eben HipHop. Das schlimmste, was es aus meiner Sicht gibt, sind Genrepolizisten, die ihre Musik real und unberührt lassen wollen. Viele Musikrichtungen wären nicht entstanden, wenn Musiker nicht verschiedene Genres gemixt hätten.

Was ist eure Zielgruppe?

Hank: Ich denke, die Zielgruppe beschränkt sich nicht allein auf die HipHop-Community. Wir haben oft gehört, dass wir eine gewisse genreübergreifende Kompatibilität haben. Leute, die normalerweise keinen HipHop hören, können auch etwas mit unserer Musik anfangen. Es ist uns auch recht wichtig, einfach immer über den Tellerrand hinauszuschauen, um nicht jahrelang in seinem eigenen Saft vor sich hinzuschmoren.

The Plot & Dirty Sánchez. Was genau bedeutet das?

Conny: Der besteht aus zwei Teilen: einmal der PLOT, was soviel bedeutet wie die Handlung. Nicht dass wir jetzt die krassesten Storyteller wären, aber in Rollen schlüpfen wir dann doch ganz gerne. Und Dirty Sánchez war einfach etwas, über das wir alle bei einem schüchternen, postpubertären ersten Kennenlernen im Proberaum lachen konnten. Kot und Alkohol brechen das Eis immer ganz gut, scheint es…

Eure Meinung zur Düsseldorfer Szene?
Conny: Die ist nicht viel anders als andere Szenen auch. Einige Leute mag man, einige nicht. Mit den Leuten, die wir kennen, verstehen wir uns aber durchweg gut und die Jungs helfen uns, wo sie können. Denn: wenn es einer schafft, schaffen es alle.

Elias: Die Düsseldorfer Szene hat schon immer viel Punkig-alternatives geboten und auch im Metalbereich entstehen immer mehr Bands. Es wird in diesen Richtungen auch viel mehr Livemusik geboten, als zum Beispiel im HipHop-Bereich, was auf jeden Fall schade ist, weil es hier doch einige Leute gibt, die eigentlich coole Musik machen.

Was steht in Zukunft an?

Elmäx: Was in Zukunft passieren wird, ist schwer zu sagen. Sicher ist, dass wir alle weiter Musik machen werden, aber ob dies in dem gleichem Maß wie bisher stattfindet, hängt davon ab, was das Album für Wellen schlägt.

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