BACKSPIN unterwegs: Dockville 2010
Freitagnachmittag, auf geht’s in die schöne Hansestadt Hamburg. Genauer gesagt, nach Wilhelmsburg aufs Dockville, dem mit rund 15000 Besuchern größten Festival für bildende Kunst und Musik in Hamburg.
Nach relativ kurzer Orientierung und Parkplatzsuche finden wir uns auch schon schnell unsere erste Station, Klee, auf dem Vorschot, einer Nebenbühne.
17.50-18.30: Klee bieten einen schön lockeren Einstieg ins Festivalwochenende und schaffen durch ihre Songs „Wohnzimmer Atmosphäre“ (…… da fehlt was). Am Ende des Konzerts genehmigt sich Frontfrau Suzie Kerstgens ihr wohl verdientes Frühstücksbierchen auf der Bühne.
Danach haben wir etwas Zeit einen Blick übers Gelände zu werfen. Neben den sieben übers Areal verstreuten Spielorten gibt es immer wieder kleine und große Attraktionen und nette Details zu bestaunen. So gibt es Hüpfburgen, liebevolle Bastelprojekte und ab und an lassen sich auch kleine Ruheoasen mit Hängematten erspähen. Ebenfalls positiv fällt die Essecke auf. Die Imbissbuden wurden schön geordnet um eine große befestigte Holzterrasse mit ausreichend Sitzmöglichkeiten und Tischen aufgebaut. So macht auch das Essen Spaß.
Aber langsam orientieren wir uns mal wieder gen Hauptbühne. Hier treten gleich die Jungs von K.I.Z. auf. Zwei überdimensional große „SEXISMUS GEGEN RECHTS“ Flaggen schmücken bereits die Bühne, auf der drei Rednerpulte und Mischpult im Retrolook aufgebaut sind.
Um 19.20 erobern K.I.Z. die Bühne und geben ab der ersten Sekunde Vollgas. In diversen Aktionen binden sie dabei das Publikum mit ein. So werden immer wieder Herzen in der Menge gebildet, offene Kissen und D-Mark Scheine im K.I.Z.-Look ins Publikum gefeuert und 13-jähirige Jungs vor „Halbstark“ zum Biertrinken animiert.
Um 20.10 ist die Show auch schon wieder vorbei. Jetzt erst einmal ein halbes Stündchen Konzertpause. Auf geht’s zu den Getränken. Zu den Bechern gibt es Pfandmarken, die dann an separaten Ständen samt Becher wieder abgegeben werden müssen. Etwas nervig, aber nun gut.
20.40: SHANTEL & BUCOVINA CLUB ORKESTAR: Wie sich herausstellt eine absolut großartige Live-Band, die Menge tobt zu „Disco Boy“ und „Disko Partizani“. Die slawischen Rhythmen begeistern und werden noch an den darauffolgenden Tagen als Highlight bezeichnet, klasse Stimmung!
21.40 Auf geht’s auf die Aussichtstribüne bei der Hauptbühne, über der liebevoll eingerichteten Raucherlounge, in der man je nach Gemütslage in der Chill-Out Ecke entspannen oder eine kleine Runde Kegeln kann. Oben erwartet einem dann schließlich eine schöne Aussicht auf die verspielt angeleuchteten Docks, im Hintergrund die Skyline von Hamburg.
Aber zum nächsten Auftritt wollen wir doch lieber wieder runter in die Menge.
22.20: Wir sind Helden betreten die Bühne. Sie spielen ca. 90% alte und 10% neue Songs. Ein schönes, zum Teil sehr melancholisches Konzert.
0.00-0.50 Eigentlich sollte jetzt Bratze im Maschinenraum auftreten, dies war jedoch nicht der Fall. Stattdessen gab es verspielten Electro-Sound mit Live Instrumenten- von Querflöten über Bläsern- auf die Ohren.
Und ab geht’s nach Hause!
Tag 2:
Ausgeschlafen und gut gelaunt betreten wir wieder in freudiger Erwartung das Festivalgelände. Heute ist vor allem Rock angesagt!
19.00, Bonaparte: Hmm, was soll man hierzu nur sagen? Krank und absolut geil? Kaum zu beschreiben, derbe, nicht jugendfreie Liveshow mit Badewannen, Gasmasken, Striptease (beider Geschlechter) – selten sowas schräges live gesehen- der Menge gefällt`s. Muss man mal erlebt haben.
Um 20.30-21.50 dürfen dann Jamie T ans Werk. Ordentlicher Auftritt, wirkt allerdings schon fast gesittet. Musikalisch top.
Zwischen 22.50-00.00 wagen wir mal einen unserer leider doch recht seltenen Ausreißer zur Nebenbühne. Frittenbude spielen. Electro-Rap gegen Deutschland. Gut besucht und viel betanzt.
In der Nacht zum Sonntag kam es dann allerdings zu einem weniger schönen Vorfall: Die Dekoautos auf dem Gelände wurden in Brand gesteckt.
Tag 3:
Gegen 17.00 betreten wir ein letztes Mal das Festivalgelände. Viele sehen doch recht mitgenommen aus, aber naja…Wie soll`s auch anders sein!?
Um 17.50 spielen Therapy? auf der Hauptbühne. Und waren dabei vor allem eines: Laut, sehr laut! Und dem Sänger merkt man mittlerweile auch den Whisky an….
19.20 Slime feiern ihr Revival zum 30jährigen Bühnenjubiläum in (fast) Originalbesetzung. Das Heimspiel der Punk-Kultband und bekennenden St. Pauli Supporter lässt die Herzen der treuen alten Fans höher klopfen.
So, Finalstimmung, das Festival nähert sich dem Ende. Der Platz vor der Hauptbühne füllt sich, alle wollen Jan Delay sehen. Doch um 20.00 wird erst mal der Sieger vom Poetry Slam ermittelt. Die beiden Finalisten hatten sich am Vortag durchgesetzt. Das Publikum durfte entscheiden.
Und dann ist es soweit: Gegen 20.30 betreten Jan Delay & Disko No.1 die Bühne. Zeitgleich ziehen dichte Wolken auf. Egal, Jan heizt ein, so richtig. Bei „Türlich Türlich“ kommt Das BO mit auf die Bühne und rappt die zweite Strophe, die Menge ist am toben. Doch dann kommt der Wolkenbruch, der das ganze Konzert anhalten wird (selten so nass gewesen). Jan stimmt nur locker „das ist Hamburg und die Sonne scheint nicht, nein es pisst“ an, Beginner Fans freut es. Und die gute Laune hält trotz des Wetters an.
Gegen 10 Uhr konnte man dann plitschnass doch gut gelaunt den Heimweg über Hamburgs überflutete Straßen antreten.
Bis zum nächsten Jahr, Dockville!

































