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BACKSPIN unterwegs: Kool Savas „Aura“-Tour in Hamburg

Da Getränke auf solchen Veranstaltungen immer so verdammt teuer sind, haben meine Kollegin und ich, uns dazu entschlossen, uns schon davor einen anzutrinken (ja, ich weiß – wie asozial, aber wir waren bei weitem nicht die einzigen). Unter der wartenden Menge vor den Türen des DOCKS mischten sich so natürlich auch unzählige Pfandsammler. Die haben Alkohol  als ihr „Öl“ bezeichnet und kaum  ein Wort deutsch gesprochen – was suchen schwedische Penner Mitten auf der Reeperbahn? Egal, wir tranken knapp  ¾ der Wiskey-Flasche selbst und schenkten ihnen den Rest. Vor dem DOCKS sind ab ca. 20:10 Uhr die ersten Lines und Bässe zu hören.

Etwas verspätet begaben wir uns zum Eingang, der Dank der Sicherheitsmaßen dem Check-In eines Flughafens glich. Wir wurden abgetastet und unsere Taschen wurden auch durchsucht. Fehlte nur noch ein Metalldetektor! Dass Waffen und Getränke nicht erlaubt sind, sollte klar sein, aber ein Deo?!

Im Innenraum angekommen, fand man sich in einer feiernden, Hände wavenden und zum größtenteils männlichen Menge wieder. Das DOCKS war ausverkauft, und das bekam man auch zu spüren. Nichts desto trotz ging es friedlich zu, so dass wir keine Probleme hatten, uns weiter vorn einen Platz zu sichern, von wo aus wir auch etwas sehen konnten. Freundlicher Weise durfte ich mich dann auch auf eine Stufe direkt vor einen jungen Mann stellen (hier sollte vielleicht noch gesagt werden, dass ich nur 160cm groß bin und er somit locker über mich hinwegsehen konnte – im wahrsten Sinne des Wortes).

Das Bühnenbild war einfach gehalten: Im Hintergrund der Bühne wurden Videoausschnitte oder wechselnde Bilder gezeigt, die immer zum gerade performten Titel passten. Das erinnerte ein wenig an eine Power-Point-Präsentation, war aber ganz nett anzusehen. Der DJ wurde zentral, aber schon fast unauffällig platziert und außer Savas sprang nur noch Moe Mitchell auf der Bühne herum. Einen Support-Act gab es nicht. So lag der Fokus wenigstens auf dem Wichtigsten des Abends: dem King of Rap himself. Und der bewies mit verschiedenen Titeln seines Nummer-1-Albums „Aura“, aber auch einigen Klassikern, wie „Rapfilm“, „Sky ist the Limit“ und „Rhythmus meines Lebens“, dass er Live einfach was drauf hat. „Brainwash“ aber ist ohne Kaas einfach nicht dasselbe.

Auch in der Konzerthalle ist man nicht von den strengen Sicherheitsmaßnahmen befreit. So wurden alle Raucher gnadenlos in einen abgegrenzten Bereich der Kälte ausgesetzt. Und wehe man wagte es, im Innenraum zu rauchen. Da aber die Nikotinsucht einfach lauter schrie als Savas, sprangen auch wir in die Arme des kalten und nassen Abends. Man bekam dort zwar nichts mehr vom Konzert mit, dafür trafen wir aber Laas Unldt, seltsamer Weise von der Menge unbemerkt. Der erklärte uns dann mit einem breiten Kinderschockoladen-Lächeln, jedoch ohne Backpack, dass Savas den Deutsch-Rap revolutioniert habe und keine Live-Show so oft imitiert wurde.

Schließlich machten wir noch einen kleinen Abstecher zum Merchandise-Stand, an dem man Kool-Savas-Shirts in zehn verschiedenen Versionen kaufen konnte. Der  Typ dahinter wollte mit jedoch einfach nicht glauben, dass ich bei der BACKSPIN arbeite. Wohl wieder ein Kandidat, für den Eier zwingend erforderlich sind, um im Hip-Hop-Bereich tätig zu sein – das nächste Mal klebe ich mit einen Bart an. Aber egal, ich nahm mir noch ein Flyer der „We got Soul“-Tour 2012 mit Moe Mitchell, Ken Kenay und Nico Suave und ging weiter, um das restliche Konzert zu genießen.

Mit der Zugabe von „LMS“  hat die Stimmung ihren Höhepunkt erreicht. Dabei schrieb er den Titel doch eigentlich für sich selbst, wie wir vom TV-Auftritt bei Stefen Raab wissen. Es folgte ein weiterer Titel und zum Ende noch ca. 50cm hohe Feuerwerk-Funken. Nettes Special- Rammstein hätten ihn dafür aber vermutlich ausgelacht. Und so nahm das Konzert um 21:50Uhr sein Ende.

Vor der Tür nahm sich der King dann noch Zeit für das Fußvolk und machte mit jedem Fotos, gab Autogramme und führt Smalltalk. Außerdem kaufte er einem weiblichen Fan ein funkelndes Hello-Kitty-iPhone-Case ab. Wer hätte gedacht, dass Kool Savas Fan des kleinen Hype-Kätzchen ist?

 

Hier noch das Video zur aktuellen Single „Nichts bleibt mehr“: