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Review: Marsimoto – “Grüner Samt”

Eigentlich darf man das Album ohne Hang zu ausschweifendem Drogenkonsum gar nicht hören. Das sagt zumindest Marsimoto selbst im Interview mit den Kollegen aus Berlin. Klingt logisch: Waren doch bereits die Vorgänger des nunmehr dritten Albums des Alter Egos von Marteria immer sehr stark geprägt von den Begleiterscheinungen übertriebener Bewusstseinserweiterung. Doch während die Rap-Gemeinde beim umjubelten Erstlingswerk „Halloziehnation“ sicher noch stärker benebelt sein musste um zu folgen, konnte sich bereits bei „Zu Zweit Allein“ auch jeder Abstinenzler an der unglaublich facettenreichen Weltbildmalung erfreuen. „Grüner Samt“ bietet hier die logische Konsequenz aus den Vorgängern.

In bester Manier eines Geschichtenerzählers lässt Marsimoto die Menschheit wieder an seinen Bildern im Kopf teilnehmen. „Leute sagt mir, wer sind die Coolsten? Keine Ahnung? Ich sag’s euch: Indianer“. Noch Fragen? Und ist eigentlich schon mal jemandem aufgefallen, wer einen von allen Plakaten in der Stadt anlächelt? Nein? Ganz klar „Alice…“. Dazu noch ein Abgesang an eine fast in vergessen geratene Spirituose und die Feststellung, dass ein Basketball mehr sein kann als eben nur ein Ball. So und so ähnlich reimt sich Marsimoto durch die 16 Stücke auf „Grüner Samt“. Im Übrigen ein Albumtitel, den er von Torch höchstpersönlich hat absegnen lassen. Apropos: Wer malt heute eigentlich noch den Zug?

Natürlich wurde auch dieses Werk aus dem Umfeld von Green Berlin wieder visuell begleitet. Höhepunkte waren hier der Marsimoto-Film zu Weihnachten (gedreht und geschnitten von Paul Ripke) und der Livestream zum Releasekonzert. Weitere Videos selbstverständlich ebenfalls. Eine gute Möglichkeit, schon einmal fast das gesamte Album vorher zu hören und sich einen Gesamteindruck zu machen.

Und der fällt positiv aus. Natürlich. Denn auch in „Grüner Samt“ steckt wieder eine große Prise von der Lässigkeit, die man hören will, wenn Marsimoto drauf steht. Glücklicher Bonuseffekt ist die Wiedervereinigung mit Dead Rabbit, der beim vorherigen Marteria-Projekt eher außen vor war. Ach, und Marteria? Der hält sich hier auffällig zurück. Kaum ein Gastauftritt. Wie es überhaupt eine rappende Ein-Mann-Show geworden ist. Und zwar eine sehr gute. Weniger zum Abgehen, obwohl da live sicher noch Gegenbeweise produziert werden, aber mehr zum Chillen, zuhören und nachdenken. Vor allem zwischen den Zeilen. Und das geht auch ohne Gras. Das ist Fakt. Und macht das ganze Album nicht schlechter. „Hast Du Angst?“

 

Release: “Grüner Samt”

Künstler: Marismoto

Label: Four Music

Wertung: 4 von 5

Release: 13. Januar 2012

 

Anspieltipps:

“Mein Kumpel Spalding” – Hast Du Geschwister? Ja, Wilson und Freitag.

“Wellness” – Ich bin Jay-Z-Fan: Die Zeugen Jay Hova‘s.

“Blaue Lagune” – In meinem Rücken steckt eine Harpune…