Games: Battlefield 3 – Der Multiplayergigant
Im Kampf um Spieler, Verkaufszahlen und Prestige läuft EA mit Battlefield 3 schwere Geschütze auf. Der Ego-Shooter aus Schweden verspricht viel zu können, real zu wirken und den Konkurrenten Call of Duty Modern Warfare 3 in Grund und Boden zu stampfen. Ist Battlefield 3 wirklich eine Ein-Mann-Armee oder handelt es sich bloß um ein gut inszeniertes Selbstmordkommando?
Wer First-Person-Shooter kennt, weiß, dass sich die Geschichten immer ähnlicher werden. Musste man vor zehn Jahren noch die Welt vor Aliens retten, die sich dummerweise bei einem Experiment im heimischen Wohnzimmer materialisierten, liegt heute das Augenmerk auf Konfliktszenarien. So verfährt auch DICE beim Erzählen der Rahmenhandlung von Battlefield 3: Als Staff Sergeant Henry „Black“ Blackburne seid ihr im Osten des Iraks stationiert und müsst die iranischen „People Liberation and Resistance Rebellen“, kurz PLR, ausschalten. Um der Bedrohung durch die PLR ein für alle Mal ein Ende zu setzen, verfolgt ihr die Freischärler in den benachbarten Iran. Als ob es nicht schon schlimm genug ist, in ein fremdes Land einzumarschieren, findet ihr in der Hauptstadt Teheran einen Atomsprengsatz und Anschlagspläne. Um einen atomaren 11. September zu verhindern, macht ihr euch also auf die Suche nach den restlichen Sprengsätzen und den Drahtziehern.
Die Schweden haben es dennoch geschafft die Geschichte spannend und beeindruckend zu erzählen. Grund dafür dürfte unter anderem die perfekte akustische Untermalung der bombastisch inszenierten Schlachten sowie die durchaus real wirkende Interaktion mit den Kameraden in der eigenen Einheit sein. Zudem hatte sich DICE einen Ex-Soldaten der britischen SAS ins Team geholt, der die Rahmenhandlung durch fachliche Kompetenz vervollständigte und sogar durch ein eigenes Buch erweiterte. Die dichte Atmosphäre wird nur durch die ständigen Rückblenden unterbrochen, die es dem Spieler erlauben, in die Haut anderer Soldaten des Kriegs zu schlüpfen. Die dabei verwendete Militärtechnik, sei es nun Kampfpanzer oder Jet, wird bis ins kleinste Detail simuliert, so dass die gesamten Bewegungsabläufe und Einstellungen sehr real wirken. Was das Ganze deutlich realer macht als in sonst irgendeinen Shooter, ist wohl auch die neue Frostbite-Engine. Diese ermöglicht dem Spieler nahezu 100% der Umwelt zu zerstören: Ganze Straßenzüge kann man in einem Panzer in Schutt und Asche legen, Häuserwände absprengen oder Gebäude zum Einsturz bringen. Dadurch bekommt das Spiel eine ganz neue, bis dahin unbekannte Dynamik, denn der Zerstörung sind quasi keine Grenzen gesetzt. Das Ganze wird in Battlefield 3 auch noch schick verpackt: Die Grafik ist für Konsolenverhältnisse auf absolutem Top-Niveau; Licht und Schatten erreichen sogar Fotorealismus und runden das Gesamtpaket beeindruckend ab.
Wer sich heutzutage einen Ego-Shooter anschafft, kann und möchte wahrscheinlich nicht mehr auf den Multiplayer verzichten. Glücklicherweise ist Battlefield 3 ein Multiplayer-Talent: Neben den Modi Eroberung und Rush kann man auch in dem aus Arcade-Shootern bekanntem Deathmatch den Kampf aufnehmen. Wer zudem noch mit einem Freund in den Krieg ziehen möchte, klinkt sich einfach in den Coop-Modus ein und spielt Szenarien durch, die nah an der Singleplayer-Kampagne liegen. In allen Modi macht Battlefield 3 dabei keinerlei Abstriche in Grafik oder Zerstörungswucht der Frostbite-Engine. Obwohl viele im Vorfeld die Befürchtung hatten, dass die Grafik zu Lasten der Geschwindigkeit ginge, ist der Multiplayer alles andere als langsam oder behäbig. DICE hat für einen flüssigen und schnellen Ablauf in der Bewegung einiges aus Mirror’s Edge mitgenommen: So gewinnt die Spieldynamik deutlich an Tempo, wenn man gekonnt über Hindernisse springt oder durch das Kampfgetümmel rennt.
Wenn sich dann 24 Spieler auf einem Schlachtfeld gegenüberstehen, kommt es gerne mal zu einer Materialschlacht. Das dabei entstehende Gefühl konnte bis dato von keinem anderen Spiel erreicht werden und ähnelt einer Mischung aus Hektik, Explosionen, herumfliegenden Betonteilen, Kampfgeschrei und ist vor allem eins: LAUT. Unglaublich sind die Häuserkämpfe in Paris, die in gänzlich zerstörten Straßenzügen und Stellungskämpfen enden, so dass man jeden Schritt im Vorfeld zweimal überlegt. Daneben kann man sich zudem in einem der unzähligen mobilen Einheiten wie etwa Jets, Hubschraubern oder gepanzerten Fahrzeugen im Zerstören und Taktieren ausleben.
Für Individualisten hat EA auch einiges getan: Die einzelnen Klassen können in wirklich jeder Kleinigkeit auf den Spieler, die Situation oder das Team angepasst werden. Visiere, Griffe, Dogtags, etliche Gadgets und Fähigkeiten machen jeden Soldaten so zu einem Unikat.
Battlefield 3 ist mehr als bloß eine Ein-Mann-Armee: John Rambo auf Steroiden. Eine reale Rahmenhandlung, wunderschöne Grafik und ein Multiplayer-Paket par excellence werden durch die Frostbite-Engine mit einem realen Anstrich versehen. Kampfpanzer, Jets und eine Individualisierung des Soldaten machen den Multiplayer-Modus von Battlefield 3 abwechslungsreich und garantieren Spielspaß bis zur nächsten Eiszeit. Mit dem Slogan „Feel the Battle“ haben DICE und EA also nicht zu viel versprochen. Zukünftige Spiele werden sich wohl oder übel an dieser Meisterleistung messen lassen müssen.
Getestet und geschrieben von Alexandros Bikoulis
Getestet auf Playstation 3
Entwickler: Dice
Publisher: Electronic Arts
Release: bereits erschienen
Plattformen: Xbox 360, Playstation 3, PC
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